Montag, April 30, 2007

Marktversagen

Das Eisverkäuferproblem
-ein Fall von prinzipiellem Versagen der Unsichtbaren Hand?

Das Eisverkäuferproblem kommt aus der Spieltheorie und beschreibt die Strategien von zwei
Anbietern auf einem freien Markt. Es soll ein Beispiel für das Versagen des freien Marktes, also dem unbehinderten Wirken der Unsichtbaren Hand sein. Ist das wirklich so?


Das Problem

Man stelle sich einen schönen Sandstrand mit vielen gleichmäßig verteilten Strandkörben vor. Es sei Hauptsaison und alle Strandkörbe besetzt
Der Strand sei 2 km lang und 100m breit, im Norden begrenzt durch das blaue Meer und im Süden durch eine Uferpromenade.
An dem Strand gibt es zwei Eisverkäufer mit Eiswagen, die sich wegen ihres relativ hohen Gewichts nur auf der Uferpromenade, nicht aber durch den Sand bewegen lassen.


Eisverkäufer mit Eiswagen (Playmobil-Prospekt)

Beide Eisverkäufer bieten dieselben Eissorten zu denselben Preisen an. Als Instrument des Wettbewerbs bleibt also nur noch die Veränderung des Verkaufstandorts. Was werden die Eisverkäufer tun?


Die Lösungen

Das Kartell
Die Eisverkäufer sprechen sich untereinander ab und gestehen sich gegenseitig jeweils die Hälfte des Strandes als ihr Einzugsgebiet zu. Sie bilden also ein Kartell. Der optimale Standort ist dann jeweils in der Mitte des Einzugsgebietes, da so die Kunden die kürzesten Wege zu „ihrem“ Eiswagen haben. Die beste Lösung für Alle!



Optimale Standorte der Eisverkäufer bei einem Kartell ohne echten
Wettbewerb zwischen den Eisverkäufern (Quelle: Wikipedia, verändert)


Der freie Wettbewerb
Nun entschließt sich ein Eisverkäufer (E1), sich nicht mehr an die Vereinbarung zu halten, er bricht also das Kartell. Er bewegt seinen Eiswagen etwas zur Mitte der Strandpromenade hin und hofft so neue Kunden aus dem bisherigen Einzugsgebiet des anderen Eisverkäufers (E2) zu gewinnen. Denn für einige der bisherigen Kunden von E2 sind die Wege zu E1 so nun kürzer. Der Eisverkäufer E2 kann das nicht durchgehen lassen und bewegt seinen Eiswagen nun ebenfalls zur Mitte hin. Die Einzugsgebiete sind dann wieder gleich groß, allerdings hat sich für die Kunden etwas geändert. Für die Kunden an den Rändern des Strandes sind die Wege länger geworden, die Kunden in der Strandmitte freuen sich hingegen über die kürzeren Wege zum Eis.
Die beiden Eisverkäufer können ihr Standortspiel weiter fortsetzen. Einer rückt wieder etwas zur Mitte, gewinnt aber nur einen kurzzeitigen Vorteil, da der andere sich ebenfalls zur Mitte bewegen muss, um nicht ins Hintertreffen zu geraten. Schließlich stehen sich beide Eisverkäufer in der Mitte der Strandpromenade direkt gegenüber, und es besteht keine Möglichkeit mehr für einen sinnvollen „Spielzug“. Für die Kunden insgesamt aber ist die Situation deutlich schlechter geworden, denn die durchschnittliche Wegstrecke zum Eis ist für die meisten von ihnen länger geworden, und die Gäste, die ihre Strandkörbe an den Rändern des Strandes haben, werden vielleicht ganz auf ihr Eis verzichten. In einem solchen Fall sinken die Umsätze der beiden Eisverkäufer E1 und E2, die so auch dabei verlieren.
Es sieht also tatsächlich so aus, als habe der freie Wettbewerb, der die Unsichtbare Hand wirksam werden lässt, den Kunden, die hier für das Allgemeinwohl stehen, einen schlechten Dienst erwiesen.
Doch die Unsichtbare Hand hat in Wirklichkeit noch nicht alle Trümpfe ausgespielt, denn die unzufriedenen Kunden, insbesondere an den Rändern des Strandes, eröffnen für neue Wettbewerber (E3, E4) aussichtsreichere Marktperspektiven als zuvor. Da die beiden Eisverkäufer E1 und E 2, die zuvor den Markt kontrollierten haben in die Mitte gewandert sind, ist für die Konkurrenz genug Platz da.


Unvorteilhafte Standorte der 2 Eisverkäufer bei freiem Wettbewerb,
aber es eröffnen sich Marktchancen für weitere Wettbewerber
(Quelle: Wikipedia, verändert)

Um nicht große Anteile ihrer bisherigen Einzugsgebiete zu verlieren, müssen sich E1 und E2 sich wieder in Richtung der Ränder des Strandes orientieren, die Mitte der Strandpromenade also wieder räumen. Am Ende ergibt sich eine gleichmäßige Verteilung der Eisverkäufer über die ganze Strandpromenade. Die Wege der Kunden zu ihrem Eis sind nun kürzer denn je. Die Unsichtbare Hand hat es am Ende doch noch .geschafft!


Die Voraussetzungen

Das Eisverkäuferproblem macht aber eines deutlich. Die Unsichtbare Hand kann nur bei einem wirklich freien Markt richtig funktionieren. Ohne einen freien Marktzutritt für neue Wettbewerber wäre es bei der schlechten Lösung für die meisten Kunden geblieben, denn die beiden Eisverkäufer wären dann in der Mitte der Strandpromenade geblieben. Schon allein die jederzeit gegebene Möglichkeit, dass neue Mitbewerber auftauchen, hätte die beiden Eisverkäufer wahrscheinlich daran gehindert ganz bis zur Mitte der Strandpromenade vorzurücken. Denn sie hätten auf die vielen verärgerten Kunden am äußeren Rande ihres jeweiligen Einzugsgebiets Rücksicht nehmen müssen.
Wichtig ist aber auch eine ausreichende Größe des Marktes, da sich sonst ein Markteintritt für neue Anbieter auf gar keinen Fall lohnt, da es einfach nicht genug Kunden gibt. Das ist übrigens auch ein Argument für freien
Handel zwischen den Nationen, denn Zölle oder andere Handelshemmnisse verringern zwangsläufig die Größe der betroffenen Märkte.

Hedda Heuer
Jens Christian Heuer


Literatur:

Wikipedia
( http://de.wikipedia.org/wiki/Eisverk%C3%A4ufer-am-Strand-Problem)