Sonntag, März 04, 2007

Klimawandel Politik

4. März 2007
Flugreisen wegen Klimawandel unerwünscht

Im Rahmen der Debatte um einen wohlmöglich vom Menschen verursachten Klimawandel, der eine gefährliche Erwärmung der Erde durch das Treibhausgas CO2 (Kohlendioxid) mit sich bringen soll, geraten jetzt die Flugreisen der Deutschen in die Kritik. Insbesondere die Billigflüge für Alle, wie sie beispielsweise von Ryan Air (http://www.ryanair.com/site/DE/) angeboten werden, sind einigen Klimaschützern, wegen ihres CO2-Ausstosses, ein Dorn im Auge. Sylt statt Seychellen, Bayern statt Bahamas so lauet die Parole (Bild am Sonntag, Ausgabe vom 4.3.2007). Der stellvertretende Chef der SPD-Fraktion im Bundestag, Ulrich Kelber: "Auf Flugreisen zu verzichten, ist ein guter privater Beitrag zum Klimaschutz. Urlaub in Deutschland oder im benachbarten Ausland ist sehr schön. Und man kommt überall gut mit der Bahn ans Ziel." Ähnlich der bayrische Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) : "Wir brauchen eine Veränderung im Lebensstil. Dazu gehört, dass wir wieder Qualität aus der Nähe schätzen lernen. Also lieber mal am Main entlangradeln, als eine Fernreise mit dem Flugzeug machen. Das bringt einem die Heimat näher und spart viele Tonnen CO2 ein." Manfred Stock vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (http://www.pik-potsdam.de/) meint: "Wer etwas für den Klimaschutz tun will, sollte Flugreisen vermeiden und in Deutschland Urlaub machen." Die Greenpeace Geschäftsführerin Brigitte Behrens fordert sogar ein Verbot von Billigflügen : "Billigflüge zu Dumping-Preisen gehören verboten."



Die Insel Sylt statt der Seychellen, oder doch lieber beides?

Da hören wir es wieder, das Wort, das in letzter Zeit so in Mode gekommen ist: Ein Verbot soll her. Nach dem Verbot in der Öffentlichkeit zu rauchen, nun das Verbot von Billigflügen. Selbst wenn es diesmal nicht zu einem direkten Verbot kommen sollte, so würde eine schon geforderte hohe Besteuerung des Flugbenzins fast auf das Gleiche hinauslaufen. Flugreisen würden stark verteuert und wieder zu einem Privileg der Reichen. Wieder einmal soll also die persönliche Freiheit der Menschen von Staats wegen eingeschränkt werden. Warum ? Um die CO2-Treibhausgasemissionen zu senken, seien gewisse Einschränkungen notwendig, so heißt es. Sehen wir uns die Sache einmal näher an:
Die wachsende Menge des Treibhausgases CO2 in der Atmosphäre wird vor allem für die zunehmende Erwärmung der Erde verantwortlich gemacht. Daran soll der Mensch Schuld sein. Doch es gibt auch natürliche CO2-Quellen. Dazu zählt neben Vulkanismus auch die ausgeatmete Luft von Menschen und Tieren. Die Pflanzen atmen ebenfalls, betreiben aber auch die Photosynthese, um Kohlenhydrate herzustellen, bei das Treibhausgas CO2 verbraucht und O2 , der lebenswichtige Sauerstoff erzeugt wird. Weiterhin wäre es auf der Erde ohne CO2 viel zu kalt. Wie man sieht ist also das CO2 für uns von großem Nutzen, denn ohne dieses Gas könnten keine Pflanzen wachsen, wir hätten dann auch keinen Sauerstoff zum Atmen und immer Temperaturen deutlich unter Null.
Die Bedeutung des menschengemachten CO2 aus nichtnatürlichen Quellen (Industrie, Kraftwerke, Auto- und Flugverkehr, Landwirtschaft) erscheint, bezogen auf den globalen Treibhauseffekt, nur äußerst gering. Er macht lediglich 1,2% aus. Und von diesen 1,2% liegt der Anteil der Bundesrepublik Deutschland bei ca. 0,04% (Quelle: s.u.). Doch diese Zahlen könnten in die Irre führen, denn der Mensch setzt durch die Verwendung fossiler Brennstoffe in wenigen Jahrzehnten CO2 frei, das vorher in Jahrmillionen (!) durch die Natur aus dem Verkehr gezogen wurde. Da aber nur die Hälfte davon durch verschiedene natürliche Prozesse -wie etwa die Verwitterung von Gesteinen- wieder gebunden wird, reichert sich das zusätzlich von den Menschen freigesetzte CO2 im Laufe der Zeit in der Atmosphäre an. Viele kleine Überschüsse an CO2 ergeben so mit der Zeit doch ganz beachtliche Mengen. Das CO2 ist übrigens nicht das einzige Treibhausgas. Wasserdampf (H2O) und Methan (CH4) halten sogar deutlich mehr die Wärme zurück. Eine anfänglich nur leichte Erwärmung durch zusätzliches CO2 führt immer zu einer erhöhten Verdunstung von Wasser. Dadurch könnte auch ein anfangs nur geringer Treibhauseffekt durch wenig zusätzliches CO2 gewaltig verstärkt werden.
Es gibt aber auch grundsätzliche Kritik an den Warnungen vor einem Klimawandel durch Treibhausgase von den Menschen. Die Sonne soll danach eine wesentlich größere Rolle bei Klimaschwankungen spielen als alle Treibhausgase zusammen, meinen die "Klimaskeptiker"
( http://weltenwetter.blogspot.com/2007_02_01_archive.html). Dieser Behauptung wird allerdings von Klimaforschern, die vor der globalen Erwärmung warnen, wiederum vehement widersprochen (http://www.pik-potsdam.de/~stefan/Publications/Other/flottekurven.pdf).
Wer nun Recht hat, kann an dieser Stelle nicht abschließend beantwortet werden. Aber selbst dann, wenn sich am Ende herausstellt, daß wirklich der Mensch durch seine Treibhausgase das Klima ungünstig verändert (http://www.pik-potsdam.de/~stefan/Publications/Other/rahmstorf_neu_2004.pdf und http://www.pik-potsdam.de/~stefan/Publications/Other/klimawandel_fact_sheet.pdf ), ist es meines Erachtens unbedingt der bessere Weg, der Gefahr durch die Förderung technischer Innovationen wie Sonnenenergie, Brennstoffzellen, Wasserstoffwirtschaft u.a.m. zu begegnen, anstatt mit immer neuen Verboten die persönlichen Freiheiten der Menschen, wozu eben auch die real existierende Reisefreiheit gehört, mehr und mehr zu beschneiden.
Die politischen und wirtschaftlichen Folgen der geforderten Einschränkung von Fernreisen wären zudem fatal. Der Tourismus ist für viele Länder, insbesondere in der sogenannten Dritten Welt, eine entscheidende Einnahmequelle und sichert dort vielen Menschen die Existenz und sogar teilweise schon einen, wenn auch bescheidenen, aber wachsenden Wohlstand. Tourismus ist für diese Länder ein Exportartikel, mit denen diese wiederum das Geld verdienen, um für sie wichtige Waren, beispielsweise auch von uns(!) zu kaufen, also zu importieren. Das bringt dann Arbeitsplätze etwa im Maschinen- und Anlagenbau oder der Autoindustrie. Durch diesen Handel profitieren beide Länder, denen es daduch besser geht, als ohne diesen Handel. Eine Einschränkung des Tourismus in ferne Länder käme einem Handelsboykott gleich, wäre somit ein feindseliger Akt gegen diese Länder und würde allen Beteiligten, auch und gerade uns, nur schaden. Der Ferntourismus für Alle ist eine grosse kulturelle Errungenschaft, denn er hat vielen Menschen neue Erfahrungen gebracht, ihren Horizont erweitert und hat, ebenso wie der Freihandel, die Völker der Erde einander näher gebracht. Der wachsende Flugverkehr, zu immer günstigeren Preisen -dafür sorgte die unsichtbare Hand des Marktes- war dabei der entscheidende Schrittmacher.
Deutschland ist ein schönes Reiseland, ebenso wie die vielen anderen, doch das eine schliesst das andere ja nicht aus. Hoffentlich widerstehen wir allen Versuchen mit fragwürdigen Argumenten unser Land und die anderen Länder gegeneinander auszuspielen, denn das wäre zum Schaden für uns und für die anderen.

Jens Christian Heuer

Quellen:

Bild am Sonntag, Ausgabe vom 4.3.2007

Spiegel-online (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,469742,00.html)

Der Treibhauseffekt aus chemischer Sicht
(http://www.chemie-im-alltag.de/articles/0024/index.html)

http://www.solarkritik.de/ (http://www.solarresearch.org/1478062.htm)

Unser Klima wird im Weltraum gemacht - Freispruch für CO2 ?
Vortrag gehalten bei: Astronomische Vereinigung Elbe-Weser, 6. Februar 2007
von Klaus-Eckart Puls, Diplom-Meteorologe

(http://loewen-apotheke-bederkesa.blogspot.com/2007_02_01_archive.html)

(aktualisierte Fassung)